Frieden nur für eine Nacht


Dieter Kleffner


Große Flocken schweben nieder,
färben weiß das Tal, die Höhen,
endlich kommt der Winter wieder,
lässt die Sonne tiefer stehen.
Weiß ist der Wald, weiß ruht das Feld,
weiß ist die ganze Winterwelt.
Kahle Bäume, Zuckerguss,
zugefroren ist der Fluss.
Eiskristalle glitzern hell,
spiegeln sich im Sonnenlicht.
Tiere stehen im Winterfell,
drängen an die Krippen dicht.
Der Tag neigt sich zur längsten Nacht
und stiller wird die Welt.
Der Himmel zeigt nun seine Pracht,
zum Greifen nah das Sternenzelt.
Stets war die längste Winternacht
der Grund für unsre Ahnen,
dass man ein großes Feuer macht,
bei Kelten und Germanen.
Es gab kein‘ Streit, nur Schulterschluss,
es floss der Wein, das Met,
man aß und trank mit viel Genuss
und sprach dann ein Gebet.
Auch wenn die alten Götter nun
durch neue fast vergessen,
so feiert man zur gleichen Zeit
mit Liedern und mit Essen.
Die längste Nacht , im Christenbrauch,
ist ebenfalls geweiht,
man füllt die Seele, Herz und Bauch
und nennt sie Weihnachtszeit.
Unter schneebedeckten Dächern,
in der warmen Stube drin,
duftet Glühwein in den Bechern,
knistert Holz in dem Kamin.
Menschen reichen sich die Hände,
nehmen sich eng in den Arm.
Erst zur Wintersonnenwende
wird manch‘ kaltes Herz dann warm.
Statt dem alten Lagerfeuer,
steht geschmückt in jedem Raum,
im Kerzenschein, mit Kugeln teuer,
jetzt ein schmucker Weihnachtsbaum.
Es riecht nach Tanne oder Fichte,
ein Bratenduft zieht reich durchs Haus.
Kinder tragen vor Gedichte,
packen die Geschenke aus.
“Stille Nacht, oh Heilige Nacht”,
ein Kinderchor singt Lieder.
So endet bald die längste Nacht
mit “Alle Jahre wieder”.
Wenn Finsternis den Mensch befällt,
mit ihrer großen Macht,
kommt endlich Frieden in die Welt…
Leider nur für eine Nacht!

(c) Dieter Kleffner / Hattingen NRW


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