Ein Winterweg


Dieter Kleffner


Ein Tal dehnt sich von West nach Ost,
ihm folgt ein Bach so kalt.
die Bäume weiß gemalt vom Frost,
starr steht der Winterwald.

Schlittenspuren wie ein Gleis,
weiße Tannen stehen am Rand,
Bäche gurgeln unterm Eis,
Winterzeit im Alpenland.

Ein Wasser über Felsen fällt,
Berghänge steigen weit hinauf,
bis zu dem blauen Himmelszelt,
das stützt sich an den Gipfeln auf.

Schneefelder glitzern überall,
Zuckerguss auf jedem Haus,
ein Kirchturm reckt sich aus dem Tal,
alles sieht so friedlich aus.

Der Waldweg wird jetzt eng und steil,
ich atme Nebelschwaden.
“Raste endlich mal ‘ne Weil‘!”,
stöhnen meine Waden.

Malerisch sind diese Berge,
geheimnisvoll die Stille,
Menschen wirken klein wie Zwerge,
hier spürt man Gottes Fülle.

Mein Weg erreicht die halben Höhn,
dort thront im Sonnenlicht
nun eine Bergkapelle schön,
genießt die weite Sicht.

Heiligenbilder sieht man da,
ein Türchen niedlich klein,
ein Kerzlein flackert am Altar
und lädt zum Beten ein.

“Gott zum Gruß, du kleines Haus.
ich bin schon fast am Ziel.
Dort drüben lockt das Bergerhaus,
wo ich einkehren will.

Eiszapfen hängen wie Gardinen,
unterm Dach und dem Balkon,
Rauch steigt auf aus den Kaminen,
man riecht den Duft des Ofens schon.

Das Abendrot sagt: “Gute Nacht”,
die Sonne sinkt ganz ferne,
der Himmel wandelt seine Pracht,
es treten vor die Sterne.

Die Lichter locken mich zur Tür,
Eisblumen vor den Scheiben,
ein warmes Plätzchen gönn ich mir,
werd’ meine Hände reiben.

Schon in der Diele schwebt ein Duft
bekannt sind die Gerüche,
ich folge dieser schweren Luft
und steh bald in der Küche.

Hier grüßen mich die Bauersleut‘,
man nimmt sich in den Arm,
hab‘ mich so lang‘ darauf gefreut,
hier sind die Herzen warm.

(c) Dieter Kleffner / Hattingen NRW


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