Die überregionale Büttenrede

Alaaf und helau!


Dieter Kleffner


Glaubens regeln, Zaubereien
Wirken besser in Latein.
Doch bei dem Satz: „carnem levare.“
Kriegt der Sextaner graue Haare.
„Das Fleisch wegnehmen.“ Heißt es da.
Auf Anhieb ist der Sinn nicht klar.
„carnem levare“ steht nun mal
Pate für den Karneval.
Gemeint ist da die Fastenzeit
mit vierzig Tagen Hungerleid.
Bis Ostern hat man dann nur Schmacht…
Drum feiern wir die Fassenacht.
Bei diesem wunderbaren Brauch
füllt man vorsorglich den Bauch,
toll wird gefeiert in den Gassen,
man ist frivol und ausgelassen.
[Tusch]

Gerade der Karneval am Rhein
lädt viele, viele Narren ein.
Kaum wird die Martins-Ganz geschlacht‘,
da ist der Hoppeditz erwacht.
Am Elften Elften hopst er schon,
schwingt Narrenreden zu Session.
In Düsseldorf da krönt der Narr
Prinz Karneval in jedem Jahr.
Venezia winkt mit dem Fächer
und Altbier strömt in alle Becher.
In jeder Halle gibt‘s ne Schau,
als Schlachtruf hört man dort: „Helau!“
[Tusch]

Die Tollität Prinz Karneval
regiert die Kölner Jeckenzahl.
Der Bauer, seine Deftigkeit,
repräsentiert Wehrhaftigkeit.
die Jungfrau, lieblich, männlich schön,
erstrahlt als Mutter der Stadt Köln.
Das Altbier hält man dort für falsch
Und trinkt stattdessen lieber Kölsch.
In der Session gibt’s kaum noch Schlaf
Denn ständig ruft man dort: „Alaaf!“
[Tusch]

In „Mainz bleibt Mainz, wie’s singt und lacht“,
da feiert man die Fassenacht.
Man isst und trink Worscht, Weck und Woi
Und schunkelt kräftig noch dabei.
Es wird getanzt, geküsst, gelacht
und die Nacht zum Tag gemacht.
Doch ob: „Alaaf!“, obgleich: „Helau!“
Sehr Ähnlich ist die Narrenschau.
[Tusch]

Bevor die Fastenzeit beginnt,
die Weiber völlig närrisch sind.
Die Kostüme sind zum Schießen,
da kann das Auge voll genießen.
Am Donnerstag da wollen sie’s wagen
und gehen den Männern an den Kragen.
Mit Tapferkeit und kleinem Schwips
wird abgeschnitten jeder Schlips.
Jedes Rathaus wird besetzt
und aller Ernst hinausgehetzt.
[Tusch]

Die Männer schreiten auch zur Tat
und wählen einen Elfer-Rat.
Närrisch prunkvoll muss es sein,
So laden sie zur Sitzung ein.
Das Narrenvolk kommt bunt maskiert,
dazu wird kräftig musiziert.
Knappe Röckchen schöne Beine
Tanzen bald nicht mehr alleine.
[Tusch]

Nach einem Tusch geht in die Bütt
ein weiser Narr mit stolzem Schritt.
Im Karneval hat viel Gewicht,
was solch ein Narr zum Fürsten spricht.
Es ist seit der Antike schon,
Einmal pro Jahr die Tradition,
dass sich der Knecht zum Herren macht
und unverblümt die Wahrheit sagt.
Dass er auf alle Fehler weist,
wo seine Herrschaft gern entgleist.
So macht auch Sinn im Karneval
Das ernste Wort um die Moral!
Die Herrscher sehen das nicht verbissen,
bis Ostern haben sie’s längst vergessen!
[Tusch]

Nach allen Reden, weise, klug,
folgt bald der Rosenmontag-Zug.
In vielen Städten geht es rund,
endlose Züge laut und bunt,
Konfetti und Kamellen fliegen,
schunkelnd sich die Mengen wiegen.
Man ruft „Alaaf“ und schreit „Helau“
und viele Narren sind bald blau.
Flöten trillern, Trommeln dröhnen,
Zugpferde vor den Wagen stöhnen.
Funkenmariechen knackig schön
lassen nackte Beine sehen.
Gardestiefel stramm marschieren,
Blaskapellen musizieren,
im schönsten Wagen, ganz am Ende,
stolz hebt Prinz Karneval die Hände…
[Tusch]

Am Aschermittwoch: Der Kopf tut weh!
Leer ist auch das Portmonee!
Fremde Küsse sind vergessen
Man schwört, bis Ostern kaum zu essen.
In den Straßen, auf jedem Platz,
da jammert man des Dichters Satz:
„Es gibt wohl keine schlimmeren Plagen
als eine Anzahl von festlichen Tagen!
Willkommen sei die Fastenzeit…
Danach passt wieder jedes Kleid!
[Tusch]

(c) Dieter Kleffner / Hattingen NRW


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