Autorenstolz


Dieter Kleffner


Autorenstolz (Thriller)
Edition-Paashaas-Verlag www.verlag-epv.de
ISBN: 978-3-9+6174-020-8
Paperback, Format 14,8 x 20 cm, 244 Seiten 1. Auflage 2018, 11,90 Euro
Auch als Kindle eBook bei Amazon erhältlich 4,95 Euro


Zur Handlung: Autorenstolz - Thriller

Der Aufenthalt auf der Klosterinsel Newelstein sollte ein unterhaltsames Treffen von namhaften Autoren werden. Ein Austausch von Ideen in eleganter Umgebung. Doch als endlich alle dort eingetroffen sind, fällt nicht nur der Strom aus. Nach und nach verschwinden einzelne Personen. Misstrauen und Unsicherheit machen sich unter den Gästen breit. Nicht nur die blinde Melly Moon sucht verzweifelt einen Ausweg aus dem Klosterlabyrinth. Sie alle können nur hoffen, einen Weg zu finden, die Insel zu verlassen, die plötzlich von der Außenwelt abgeschnitten ist. Der Kampf ums nackte Überleben nimmt ungeahnte Formen an. Denn der Mörder verfolgt einen ganz genauen Plan ...

Textauszug aus Kapitel III. Zweiter Klosterinseltag:

….??Dr. Richter unterbrach: “Verzeihen Sie, Sabine, aber ein Stromausfall aufgrund eines Blitzschlags ist höhere Gewalt. Für uns alle ist es selbstverständlich, auf Knopfdruck Licht, warmes Wasser, Heizung und Telefon zu bedienen. Sobald der Strom ausfällt, bricht für viele gleich eine Welt zusammen. Auf dieser Insel haben unzählige Generationen ohne Strom gelebt. Also werden auch wir mal einen Tag, vielleicht auch zwei, ohne Energie überleben. Herr Buttler kennt das Haus und seine technischen Anlagen und wird uns mit Sicherheit zum Besten raten.” Uwe Sieger sagte: “Wenn ich Herrn Buttler richtig verstanden habe, dann kommt unser Trinkwasser nicht von einem Wasserturm, der genügend Reserven hätte. Was geschieht, wenn der Strom mehrere Tage nicht geliefert wird und die Pumpe den Haustank nicht füllt?” Der Cowboy lachte: “Kluge Frage, lieber Sieger. Wenn der Tank nicht mehr gefüllt wird, dann ist er eben eines Tages leer.” “Dann sage mir mal, du Dreimalkluger, wie dann die sanitären Anlagen funktionieren sollen?” Zeun verzog ihr Gesicht. “Wie, was? Keine Toiletten? Soll man dann in den Garten pinkeln?” Buttler wedelte mit der Hand. “Meine lieben Herrschaften, selbst im extremsten Fall gäbe es dann noch die guten alten Plumpsklos.” Er grinste breit, doch niemand erwiderte ein Lächeln. Also setzte er nach: “Im schlimmsten Fall verlassen wir die Insel und Sie können Ihre Tagung im Hotel im Dorf Newelstein fortsetzen. Das Wetter soll leider unbeständig bleiben. Möchten Sie, dass ich Ihnen ein Radio zur Unterhaltung oder für die Nachrichten in diesen Raum stelle?” Frau Zeun rief: “Ach, plötzlich gibt es doch Strom? Plötzlich gibt es doch Empfang?” “Ja, Madam. Das Radio hat Batterien und empfängt UKW und Mittelwelle.” Dr. Richter sagte: “Sind Sie bitte so freundlich, Herr Buttler, und stellen uns das Radio zur Verfügung. Verzeihen Sie auch die gereizte Stimmung. Der Stromausfall ist ja nicht Ihre Schuld”, und er blickte Frau Zeun mit herrischer Miene an. Das ehemalige, blonde Model hob arrogant die Brauen und flüchtete ihren Blick in eine Illustrierte. Hinter den Gardinen hingen dunkle Wolken. Sie versprachen kein gutes Wetter. Kerzen flackerten auf Tischen, am Buffet und in Wandhalterungen. Ohne elektrisches Licht fühlten sich die meisten Gäste in eine frühere Zeit versetzt, was allen völlig fremd war. Aufgrund des Wetters und ohne einen drängenden Tagungstermin des sonderbaren Gastgebers zog sich das Frühstück in die Länge. Engler und Cowboy Uhlen gingen vor die Tür, um zu rauchen. Plötzlich stürzte David Uhlen wieder herein und rief: “Wo ist Buttler? Das Boot hat sich losgerissen und schwimmt mitten auf dem See.” Die übrigen Gäste erhoben sich und traten neugierig an die Fenster, hinter dem ein Teil des Sees zu sehen war. Bald darauf beobachteten sie, wie die Herren Engler, Uhlen, von Tronje, und der Meeresbiologe Dr. Lüttig zur Ufermauer eilten. Buttler hatte sich eine Winterjacke übergezogen und folgte ihnen. Die Männer gestikulierten, schmiedeten scheinbar erste Pläne.

Opitz beäugte vom Fenster das Treiben der Männer am Ufer und fragte Moon: “Wo ist Bernd? Bei den anderen ist er nicht.” “Ich weiß nicht. Er hat nichts gesagt.”
Melly, komm, wir schauen mal nach Silvia Arens. Vielleicht können wir etwas für sie tun. Außerdem verbringen wir die Zeit dann sinnvoller, als auf unseren seltsamen Gastgeber zu warten.”

Arens wohnte im selben Gang wie Moon. Die Frauen klopften leise, dann lauter an die Zimmertür. Keine Antwort. Opitz drückte die Klinke herunter. Die Tür ließ sich öffnen. Opitz schaute vorsichtig hinein. Das Bett war zerwühlt und leer. Opitz rief: “Silvia, bist du im Bad?” Da auch jetzt keine Antwort kam, schaute sie auch dort hinein. Aber auch hier war niemand. “Was machen wir nun? Wo sollen wir suchen?”

“Ich kenne Silvia nicht besonders gut, aber sie würde sich nie weit entfernen, ohne ihr Zimmer abzuschließen. Wir suchen im Haus. Vielleicht ist sie ja sogar in die Kirche gegangen. Unwetter machen fromm. Da falten sogar Hartgesottene die Hände.” Sie erreichten den mystischen Ort über einen Quergang, den Opitz von der Besichtigung noch kannte. “Silvia?”, fragte Moon und ihre Stimme hallte von den Wänden zurück. Bei dieser Akustik bekam sie eine Gänsehaut. Keine Antwort. Der Geruch alter Mauern erinnerte an frühere Tage. Jeder dieser Steine war einst unter Schweiß von Hand zu Hand gegangen und bewahrte hier das Andenken menschlicher Aufopferung. Opitz blickte sich um und begann Moon die Räumlichkeit und die Ausstattung detailliert zu beschreiben. Moons Fingerspitzen ertasteten eine Statue der Gottesmutter und ihre Lippen bewegten sich zu einem stillen Gebet. ‚Bimm‘ schlug die Glocke über ihnen und zehn weitere Schläge folgten. Moons Finger glitten vorbei an handgeschnitzten Bänken, berührten die Maserungen der steinernen Säulen, die das Gewölbe trugen. Sie öffnete die quietschenden Türen des Beichtstuhls. Der Blindenstock tastete, bis er die Stufen zum Altar erreichte. “Wir suchen weiter in der Bibliothek”, riet Opitz und ergriff Moons Arm. Nach einer viertel Stunde öffneten sie die schwere Tür der Bibliothek. Der Geruch alter Bücher quoll ihnen entgegen. Da Opitz etwas rascheln hörte, erwartete sie die gesuchte Kollegin. Auf den ersten Blick war niemand hier. “Hallo, Silvia, bist du da?” “Nein, ich bin’s, Bernd!”, rief eine sonore Stimme aus dem hinteren Teil der Bibliothek. Die Frauen umrundeten eines der freistehenden Bücherregale, die bis zur vier Meter hohen Decke hinaufragten. Rauchzahn stand an einem Pult. Er arbeitete mit Lineal und spitzem Messer. “Bernd, was treibst du hier?”, fragte Opitz.

Statt ihr zu antworten, rief er zu Moon: “Du kommst gerade richtig, Melly. Ich habe hier einen taktilen Plan des Gebäudes angefertigt. Er hat die Größe von vier DIN-A4-Blättern und kann zusammengeklappt werden. Der Maßstab wird nicht ganz perfekt sein, aber im Großen und Ganzen stimmt er. Die Räume und Gänge sind jeweils mit einem Buchstaben markiert. Schau mal.” Die Blinde stellte sich neben ihn und fuhr mit den Fingern über die erhabenen Rechtecke und Streifen. Nach einiger Zeit trat ein Lächeln auf ihren Mund und sie begann zu beschreiben: “Das ist der rechte Klausurbau. Hier der Haupteingang, die Kirche, der Innenhof, wo der Brunnen steht. Da ist der Frühstücksraum, das Kaminzimmer, der Tagungsraum. Hier ist das Treppenhaus. Da müsste mein Zimmer sein. Richtig?” “Beeindruckend”, lobte Opitz.
Moon beschrieb sogar die Häuser im hinteren Teil der Klosteranlage und sagte zum Schluss. “Jetzt befinden wir uns genau hier.” Ihr Finger tippte auf ein tastbares B. Ihre blinden Augen schienen nun zu strahlen. Erleichterung lag in ihrer Mimik. Rauchzahn kannte diesen Blick aus früheren Tagen. Leise sagte sie: “Endlich habe ich eine relativ gute Vorstellung bekommen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie unangenehm es ist, wenn man sich fremder Umgebung völlig ausgesetzt fühlt.” Rauchzahn nahm sie in die Arme. Sie ließ es geschehen und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. “Hat sich Silvia gemeldet?”
“Nein, wir haben sie gesucht, aber bisher nicht gefunden.”
Er zog Moon mit sich, gab Opitz ein Zeichen und trat an den langen Tisch, auf dem immer noch die Bücher der Gastautoren in einer Reihe lagen. “Anna, fällt dir etwas auf?” “Nein, das sind unsere Bestseller, die der seltsame Kunibert zu Schlehenberg hier ausgelegt hat.” Rauchzahn tippte auf den Anfang der Reihe. “Silvia Arens Buch fehlt. Wie du siehst, sind die Bücher nicht alphabethisch aufgereiht. Weder nach Autorennamen noch nach Titeln. Aber ich bin mir sicher, dass Silvias Buch ganz am Anfang lag.” Opitz blickte auf den Tisch, dann wieder in Rauchzahns Gesicht. “Gut, ich sehe, dass Silvias Titel nicht mehr dabei ist. Aber was vermutest du?” “Anna, ist es nicht seltsam, dass dieser Kunibert immer noch nicht aufgetaucht ist? Er gibt verdammt viel Geld für unsere Anwesenheit aus. Nun ist Silvia nicht zum Frühstück erschienen, scheinbar nicht zu finden und ihr Buch ist weg.” Moon meinte: “Vielleicht hat sie selbst ihr Buch hier abgeholt.”
“Wozu? Warum? Ich wüsste nicht, wann ich das letzte Mal in meine eigenen Bücher geblickt habe. Hinzu kommt, dass der Strom weg ist. Wir haben keine Telefonverbindung zur Außenwelt. Weder im Netz, noch im Mobilfunk. Wir sind regelrecht isoliert.” Moon verzog ihren Mund: “Ich finde das nicht gut, Berni. Du willst uns Angst machen, nicht wahr?” “Nein, ich will nur vorbereitet sein, falls das Ganze hier zu einem Gaunerstück wird. Wenn ich das lustig fände, dann hätte ich dir nicht den Plan gebastelt. Nimm ihn mit in dein Zimmer und verwahre ihn gut. Ich denke, wir gehen nun zu den anderen und beraten uns. Sollte Silvia längst hungrig an der Speiseraumtür kratzen, dann ist selbstverständlich alles in Ordnung.”

(c) Dieter Kleffner / Hattingen NRW


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