Ballade der freiwilligen Feuerwehr


Dieter Kleffner


ielen Bürgern ist nicht klar,
zu ihrem Schutz sind Menschen da,
die kostenlos, aus freiem Willen,
im Notfall eine Gruppe stellen,
die zu jeder Tageszeit
für einen Einsatz ist bereit.
Hier schauen wir auf einen Mann
und nennen ihn mal Florian.
Als Junge träumte er so sehr:
“Ich wär gern bei der Feuerwehr.
Da gibt es tolle Abenteuer
mit Überschwemmung oder Feuer.”
Wir wollen Florian begleiten
bei vielen seiner Tätigkeiten.

Erster Einsatz:
Seit Tagen brennt die Sommersonne,
da ist der kühle Wald ‘ne Wonne.
Die Jugend sucht das Abenteuer
Und macht im Forst ein Lagerfeuer.
Beim Picknick man sehr leicht vergisst,
dass dieser Boden trocken ist.
Darunter mündet oft die Sohle
mit unserer guten alten Kohle.
Schon brennt das Gras und bald ein Strauch,
zum Himmel steigt der dunkle Rauch.
Florian am Grill grad‘ steht,
als plötzlich die Sirene geht.
Der Flori nimmt es mit Humor
Und bald heißt es: “C-Rohr vor!”

Zweiter Einsatz:
Kommt regelmäßig mal ein Regen,
ist das für die Natur ein Segen.
Doch wenn es tagelang stark gießt,
der Bach über die Ufer fließt,
dann füllen sich Kanäle schneller
und Wasser steigt in manchem Keller.
Ein Fischlein hat die Flut gebracht,
das nun im Partykeller lacht.
Florian rückt wieder an
und heute ist er Schlauchtruppmann.
Saugleitung fertig! Pumpe dröhnt!
Das Wasser sinkt, das Fischlein stöhnt.
Bald ist der erste Keller leer,
zum Nächsten eilt die Feuerwehr!

Dritter Einsatz:
Oma Finchen schmilzt dahin,
wenn schnurrt ihr Kater Fridolin.
Doch Fridolin reißt gerne aus
und klettert heute auf das Haus.
als er vom Dach herunter schaut,
da wird vor Angst nur noch miaut.
Die alte Dame hört den Jammer
und ruft die Feuerwehr voll Kummer.
So geht’s für Florian nun weiter
und er erklimmt die lange Leiter.
Fridolin ist gar kein Netter
und zeigt die Krallen seinem Retter.
Mit Handschuhen reicht der Florian
der Oma ihren Kater an.

Vierter Einsatz:
Flori sitzt im Bad schön warm,
da gibt der Zentralist Alarm.
Ein Sturm pfeift mächtig um das Haus
Und reißt am Baum die Äste aus.
Im Radio, da rät man sehr:
“Gehen Sie bei Sturm nicht vor die Tür!”
Doch dieser Rat gilt nicht für Retter,
sie müssen raus bei jedem Wetter.
Notruf, weil die Pfannen fliegen,
Autos unter Bäumen liegen.
Zum Einsatzort gibt‘s kaum noch Wege.
Der Flori greift zur Motorsäge.
Unterm Baum, im Caravan,
Liegt ein schockverletzter Mann.

Fünfter Einsatz:
Am Hauseingang von Bauer Korte
Kann man lesen freche Worte:
“Heiliger Sankt Florian
Verschon‘ mein Haus, zünd‘ andre an.”
Solche Späße macht man nie,
drum trifft das Schicksal heut‘ sein Vieh.
Der Bauer schaut grad‘ aus der Stube,
hoch spritzt es an der Jauchegrube.
In der Gülle schwimmt die Kuh
und schreit in voller Panik “Muh”.
Der Flori kommt in flinkem Spurt
Umschlingt der Kuh den Rettungsgurt.
Dann zerrt man schwer das Tier heraus…
Sein Retter sieht beschissen aus!

Sechster Einsatz:
Der alte Schlossermeister Heuer
entdeckt in seinem Schuppen Feuer.
Im Rauch muss er mit Bangen sehen,
dass Gasbehälter dort noch stehen.
Die Feuerwehr rückt eilig an,
im Angriffstrupp der Florian.
Der Einsatzleiter ruft ganz barsch:
Gasflaschen kühlen! Wasser marsch!”
Dann gibt es einen lauten Knall,
der Angriffstrupp kommt gleich zu Fall.
Mit der starken Explosion
fliegt eine Flasche weit davon.
Sie stürzt in eine Waldeslichtung…
…Die Presse spricht von UFO-Sichtung.

Siebter Einsatz:
Zum Christenfest, da steht im Raum,
der reich geschmückte Weihnachtsbaum.
Tannenduft und Kerzenrauch
sind seit Jahren guter Brauch.
Doch wenn die hellen Kerzenflammen
einmal an die Nadeln kommen,
dann ist die Feier schnell vorbei
man wählt geschwind die Eins-Eins-Zwei.
Florian, im Kirchenchor,
singt frohe Weihnachtslieder vor.
Statt Glocken hört er die Sirene
und macht sich eilig auf die Beine.
So kommt heut statt dem Weihnachtsmann
zum Löschen nur der Florian.

Feuerwehrfest:
Doch gibt’s auch bei der Feuerwehr
ein Fest “Zum Tag der offenen Tür”.
Da stellen Kinder endlos Fragen
und klettern durch die Einsatzwagen.
Die Mütter tauschen viele Worte
und kämpfen mit der hohen Torte.
Schäumend fließt das Bier vom Fass,
so haben auch die Väter Spaß.
Der Bürgermeister ist zur Stelle,
es spielt die Feuerwehr-Kapelle.
Der Flori, schick in Uniform,
schwingt das Tanzbein ganz enorm.
Er widmet seine freie Zeit
nun voll der holden Weiblichkeit.

Epilog:

Mit Florentine sanft im Arm
schlägt Floris Herz plötzlich Alarm.
So folgt ein neues Abenteuer,
denn Liebe ist ein großes Feuer.
Auch Florentines Herz schlägt höher,
so rückt der Polterabend näher.
Bald stehen die Zwei am Traualtar
und auch der Löschzug ist schon da.
Vor der Kirchtür ist es Brauch,
auszuwerfen einen Schlauch.
Der Bräutigam rollt diesen auf,
schon nimmt das Fest froh seinen Lauf.
Es zischt das Bier, es gluckern Weine,
da ruft schon wieder die Sirene.
Doch, Florian beschwipst nun lacht:
“Zuerst kommt unsre Hochzeitsnacht!”

(c) Dieter Kleffner / Hattingen NRW


zurück zur Seite Dieter Kleffner
zurück zur Seite Vita und Werke
zurück zur Startseite

Ballade der freiwilligen Feuerwehr

BLAutor - Arbeitskreis blinder und sehbehinderter Autoren - www.blautor.de