Mit Vollgas voraus


David Röthle


Fritz hatte sich heute mit Freunden verabredet. Da er etwas zu früh am Treffpunkt war, wollte er noch eine Runde mit dem Wagen drehen. Er setzte sich in den Sitz. Es war schönes Wetter und der Asphalt trocken. Beste Voraussetzungen für ein kleines Rennen, dachte er sich.

Mit Vollgas und durchdrehenden Rädern fuhr er los. Heute wollte er es wissen, der Rekord musste doch zu brechen sein dachte er. Noch verlief die Straße gerade an Feldern vorbei. Die Anzeige auf dem Tacho wanderte immer weiter, 120, 140, 160, bei 180 Stundenkilometern bog er in ein Waldstück ein und musste dabei ein wenig vom Gas gehen. Doch bereits nach verlassen des verschlungenen Waldstücks trieb er die Maschine wieder an. 130, 150, 170 Stundenkilometer, pfeilschnell schießt Fritz mit seinem roten Ferrari über die Landstraße. Selbst vor der herannahenden Bergkuppe wurde das Tempo nicht gedrosselt. Mit Tempo 200 erreichte er die Spitze des Hügels, wobei die Reifen kurzfristig den Bodenkontakt verloren. Dahinter ging es, nach einer Senke, in eine steile Rechtskurve. Das Heck brach aus, der Wagen geriet ins schlingern und nur mit Müh und Not konnte Fritz den Wagen wieder auf die Spur bringen. Fritz spürte wie seine Hände feucht wurden und sein Herz Adrenalin durch seine Adern pumpte. Doch bis jetzt war alles gut gegangen. Die Musik, die aus den Lautsprechern dröhnte wurde kaum noch von ihm wahrgenommen. Anfangs hatte sie ihn aufgepeitscht, doch jetzt musste er sich konzentrieren, er wollte schließlich den Rekord brechen.

Schon raste er auf einen Kreisverkehr, der zwei Landstraßen verband, zu. Ohne die Geschwindigkeit zu verringern riß er in schnellen Bewegungen das Steuer, rechts und sofort wieder links, herum. Der Wagen brach nur kurz, etwas staub aufwirbelnd, aus und blieb weiter in der Spur. Schon raste Fritz auf eine kleine Ortschaft zu. Auch hier verringerte er die Geschwindigkeit nur geringfügig, die Nadel stand noch auf 150 Stundenkilometern. Mit seinem irrsinnigen Tempo raste er auf eine Links Kurve zu. Etwas wollte er die Geschwindigkeit drosseln, schließlich wollte er nichts riskieren.

Doch was war das? Entsetzen machte sich auf seinem Gesicht breit. Einige Meter nach der Kurve rannte ein großer Hund auf die Straße. Die Gedanken rasten durch seinen Kopf - er würde nicht mehr ausweichen können, die Geschwindigkeit ist viel zu hoch, was soll ich nur machen - als er panisch auf die Bremse stieg und das Steuer herumriss, um doch noch auszuweichen.

Doch im selben Moment schleuderte er schon in die Hauswand vor dem Hund.

Mit lautem Krachen schlug er in die Wand ein, gleichzeitig explodierte der Wagen und die Trümmer flogen, in einen roten Feuerball, durch die Luft.

Da legte sich eine Hand auf seine verkrampfte Schulter.
“Nur gut, dass das nur ein Video-Spiel ist, alter Raser! Komm jetzt raus aus dem Kasten, die anderen sind auch schon da.”, sagte Hans, ein Kumpel, mit dem sich Fritz verabredet hatte und half ihm aus dem Fahrsimulator heraus.

GAME OVER

(c) David Röthle / Kissing


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