Spaziergang im Herbst


Brigitte Kemptner


Es zieht mich früh am Morgen schon
hinaus ins Sonnenlicht,
sein milder Schein fällt auf mein Haar
und lacht mir ins Gesicht.

Und als ich durch die Flure geh,
es ist zur Herbstes Zeit,
wird es mir gleich so sonderbar
und in der Seele weit.

Die Erd` vom Tau der Nacht getränkt,
geschwängert ist die Luft.
Ein Hauch von Abschied ist es wohl,
ein ganz besondrer Duft.

Ich wandre über feuchtes Laub,
sein Leben ist verbraucht.
Auch Sommerblumen haben längst
ihr Dasein ausgehaucht.

Ein Stoppelfeld in meinem Blick,
in Ballen türmt sich Stroh,
Ich geh vorbei und fühle mich
so frei und richtig froh.

Mein Weg mich hin zum Walde führt,
er lädt mich freundlich ein.
Komm, Wanderer, ich bitte dich,
bei mir zu Gast zu sein.

Ich folge gerne seinem Ruf
und finde tiefe Ruh,
Das bunte Laub fällt sanft herab
und deckt den Boden zu.

Dem Duft der Pilze geh ich nach,
weiß, wo die Wildbeern sind.
Hab sie zum letzten Mal gepflückt,
als ich noch war ein Kind.

In stiller Andacht lausch ich nun
dem letzten Vogellied,
und spüre, wie mit einem Mal
ins Herz die Wehmut zieht.

Durch bunte Zweige fällt wie Gold
das milde Sonnenlicht,
das sich im Waldesinnern gleich
in tausend Strahlen bricht.

Und als ich wieder heimwärts geh,
ziehn Schwalben über mir.
Sie fliehen vor der Winterzeit,
doch ich, ich bleibe hier.

(c) Brigitte Kemptner / Brühl


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