Gerüche sind mächtige Zauberer,

die uns um Jahre zurück versetzen können.

Ein Spruch von Helen Keller


Anneliese Useldinger


Gerüche sind ein weites Feld,
in dem Erinnerung kräftig schwellt.
Sind fest verankert tief im Kopf
und wie versammelt im Riesentopf.

Und weil es sind der Sorten viele,
nehm ich nur paar heraus zum Ziele.
Früh lernt ich kennen uns're Katzen,
die manchmal auch ein bisschen kratzen.
Gern steckt 'ich meine Nas' ins Fell,
ob schwarz, ob weiß, gestreift, ob hell.

Heut habe ich nur 'ne Katz aus Plüsch,
fad Stoffgeruch und gar nicht frisch,
ist kein Vergleich zur Katz, die lebt,
ihr Duft noch oft im meiner Nase schwebt.

Bei uns'rem Hund ich ließ es sein,
der draußen stank nur, war nicht rein.

Die Oma hat' 'nen Hühnerstall,
da roch es warm und auch ganz drall.
Im Nachbarstall ein Einzelschwein,
auch das roch gut, wenn auch nicht fein.

In spät 'ren Jahren dann ich fand
den gleichen Duft im Bioland,
wo auch ohn' chemisches Gemisch
die Tiere dort ernährten sich.

Leicht anders roch Omas Ziege,
besonders wenn voll war ihre Wiege.
Ich durft ' sie melken schon als Kind,
der Milchduft heut' noch Freude bringt.

Einst fürcht' ich mich vor Mutters Droh,
drum rasch ich auf zur Tante floh,
verstand sehr wohl mein knapp' Entrinnen,
ließ dunkelrote Tropfen rinnen
in Gläschen klein den roten Wein
und reicht' es mir die Nase fein,
zuerst den herben Duft erschließen
dann erst den Schluck ich konnt' genießen.
Sie weckten in mir, Wein zu lieben
und das ich tu noch heute üben.

Die Küche von Gerüchen voll.
Davon den einen find' ich toll:
wenn frischer Fisch in Pfanne schmort,
dann bleib' ich gern an diesem Ort.

Ganz anders ist Geruch der Pferde.
Wenn stramm sie gehen, rollt zur Erde
mit Dampf ein Haufen Äpfel vom Roß,
die Oma schaufelt sie in Gartens Schoß.

Der Krieg begann, mit ihm die Flucht.
Der Zug entgleist, da ward gesucht,
wo mit uns hin bis Weiterfahrt,
ein Dorf zum Lager für uns ward.

Da schlief ich dann zum ersten Mal
auf nacktem Stroh, es war'ne Qual.
Und der Geruch der weckt die Pein
der einen Nacht, mehr sollt' nicht sein.

Am nächsten Tag der Reis verbrannt,
und der Gestank mir noch bekannt.
Dann kamen Bomben laut mit Schrecken,
Zerstörung brach aus allen Ecken.
Geruch von Schwefel, Dreck und Staub,
der macht das Riechorgan ganz taub.

Doch lieber denk' ich an den Garten,
wo viele Düfte auf mich warten,
von Rosen, Lilien und Holunder
gern ich erinnere mich ihrer Wunder.

(c) Anneliese Useldinger / Bonn


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die uns um Jahre zurück versetzen können. (Helen Keller)

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