Ein vergessener Turnschuh


Anneliese Useldinger


Zwei Turnschuh' gehn auf große Reise
mit ihrem Herrn, der freut sich leise,
daß er mit ihnen gut kann gehen
an Kegelbahnen, um zu sehen,
wie haufenweis' die Kegel fallen,
mit 9 und 8 zu Boden knallen.

Und siegen will er, sei der Beste
und laß den andern vier die Reste,
die Bauern rechts und links da sind
und Stina höchstens noch mit Kind.
Doch glücke ihm 9, 8 und 7,
das sind die drei, die Kegler lieben.

Die Spieler treffen pünktlich ein
und jeder trägt die Turnschuh' sein.
Doch einem ist etwas passiert,
was Kegler ganz enorm geniert:
Das Turnschuhpaar hat er getrennt,
nur einer in dem Rucksack hängt.

Wo ist der andre bloß geblieben,
wo hat der sich denn rumgetrieben?
Oh weh, was macht der Kegler nun,
wo kriegt er jetzt zwei gleiche Schuhn?

Er klagt der Grupp' sein Mißgeschick
und hat auf Anhieb großes Glück.
Von Kamerad', des Schuhgröß' stimmt,
er freudig dessen Turnschuh' nimmt,
nachdem als zweiter der war dran,
so zieht der andere sie jetzt an.

Doch mit dem Glück will's nicht gelingen,
die Bahn zu glatt, zur Seite schwingen
die Kugeln, auch beim grad' ansetzen
sie oben aus der Fuhre wetzen.

Ihn quält die Frage immerzu:
Wo hab ich bloß den andern Schuh?
Trollt er vielleicht da unterm Bette
in dem Hotel - drum geht die Wette.
Kann sein, er ist in Bonn geblieben,
beim Packen blieb er einfach liegen?

Der Kegler gibt sich ein Versprechen:
Nie mehr Schuhpartnerschaft zu brechen.
Drum bind' er sie an den Schnüren fest,
so daß der ein' nicht vom andern läßt.

Die Turnschuh' sind nun hoch erfreut,
erspart bleibt ihnen das Trennungsleid.
Verbunden selig sie nun warten,
wenn's wieder heißt: Zum Turnier wir starten!

(c) Anneliese Useldinger / Bonn


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